24.04.2015, 14:35 Uhr. Der Paketbote schnaufte: „Isch hab schon Fuffzich von den Dingern ausjeliefert. Wissense, wat da drin is?“ – ich wusste es. Schließlich hatte ich mich 14 Tage vorher genau um 9:01 Uhr auf die Lauer gelegt um meine Apple Watch zu bestellen – was mir über die Store-App punktgenau gelang. 42mm, Edelstahl, weisses Sportarmband (sozusagen die „Tim Cook Edition“ – genau dieses Modell hat er immer vorgezeigt). Einige Freunde von mir waren nur Sekunden später in den Online-Store reingekommen oder hatten ein anderes Modell bestellt – und müssen noch einige Wochen auf Ihre Watch warten – die Verfügbarkeit ist, wie so oft bei neuen Apple-Produkten, extrem schwierig.

Erstaunlich schwer war der Karton – 1,5kg! Da sollte „nur“ eine Armbanduhr drin sein? Nun denn – nach dem Auspacken wusste ich warum: Der schwere Karton, eine richtig solide, schwere Plastikdose, sowie Netzteil und 2m Kabel wiegen zusammen eine Menge (seht Euch gerne mein Flickr-Album hier oder am Ende dieses Artikels an). Die Watch selbst ist noch das leichteste.

Apple Watch Dose

Schnell das Lade-Tellerchen an die Rückseite der Watch geklippst (ist magnetisch), über USB an den Rechner angeschlossen, schon startet die Watch und präsentiert zur Kopplung einen dreidimensionalen „QR-Code“ – eine Art sich drehende Galaxis – Apple hat sich da Mühe gemacht, es anderes (und nerdiger) zu machen als die anderen Hersteller:

Die Kopplung vollführt man mit der seit iOS 8.2 auf dem iPhone befindlichen Watch-App, mit der man den Code über die iPhone-Kamera fotografiert.

Dann hat man noch die Auswahl ob man alle auf dem iPhone befindlichen 3rd Party Watch-Apps installieren will (ich habe dort erstmal „Nein“ gesagt), man kann/sollte noch einen PIN-Code auf der Watch vergeben und das war’s dann.

Dazu ist noch folgendes zu sagen. Bei den erwähnten „Watch Apps“ der Drittanbieter handelt es sich mitnichten um echte Apps. Bislang erlaubt Apple den Entwicklern nur, Teile des Interfaces als sogenannte „Extension“ auf die Watch auszulagern – ich denke, aus Performance und Batterielaufzeit-Gründen. Das soll sich aber irgendwann ändern.

Die mitgelieferten Applikationen der Watch sind aber auch schon erstaunlich vielfältig – sicherlich das ausgereifteste „Version 1.0-Produkt“, was ich je gesehen habe. Man darf nicht vergessen: Es ist Apples erster Schritt in eine ganz neue Produktkategorie.

Die wichtigsten Bedienparadigmen („Digital Crown“ drehen und drücken, Wischgesten, „Force Touch“) hat man nach ein paar Minuten verstanden. Die Apple-Lernvideos (http://www.apple.com/de/watch/guided-tours/) helfen dabei enorm.

Die Uhrenfunktion der Watch bietet wie man es auch von anderen Smartwatches kennt, einige sehr ansprechende Zifferblätter an, die man mit den von Apple sogenannten „Komplikationen“ verfeinern kann. So kann man sich den Batteriestand, den Stand der täglichen Fitness-Aktivitäten (allein darüber könnte man einen eigenen Artikel bloggen), der nächste Termin oder auch andere Zeitzonen anzeigen lassen.

Was habe ich mit Apple Watch gemacht in den ersten Stunden? Nun ja, ich habe zunächst mal einige Notifications erhalten, meist neue iMessage-Nachrichten. Diese lassen sich in wenigen Sekunden mit Standardantworten (Ja, Nein, Melde mich gleich..) beantworten oder über Siri diktieren, die Spracherkennung funktioniert hervorragend. Falls der Text nicht erkannt wird, kann man die Antwort auch als Audiodatei versenden, es ist also nicht notwendig, das iPhone aus der Tiefe der Tasche hervorzukramen.

Auch andere Mitteilungen (z.B. Email, WhatsApp) kommen auf der Watch an, können aber von dort (noch?) nicht beantwortet werden – Emails aber immerhin gelöscht oder markiert werden. Die Benachrichtigung per „Haptic Touch“, eine Art Klopfen aufs Handgelenk, ist sehr cool gemacht – bekommt es doch kein anderer mit. Meine Pebble-Vibrations hat man durchs ganze Haus gehört. Ansonsten habe ich die Watch komplett auf stumm geschaltet.

Man sollte sich aber gut überlegen, welche Mitteilungen man aktiviert – ansonsten wird man nämlich von Notifications überflutet und schaut pausenlos auf die Watch – das kommt nicht gut an, wenn man im Gespräch mit anderen Leuten ist, steht es doch allgemein in unserem Kulturkreis für: „Ich muss jetzt ganz dringend weg“. Ich habe bis auf iMessage, Email, Slack, WhatsApp und Facebook-Messenger eigentlich alles abgeschaltet, für mein Kommunikationsverhalten (zumindest jetzt am Wochenende) ist das gut so.

Auch die Glances, die auf Deutsch „Checks“ heißen, sollte man nur dosiert verwenden. Sie erscheinen beim Hochwischen von unten und sind eine Art Schnellzugriff auf bestimmte Funktionen oder Apps. Die vorgegebenen 10 Stück waren mir schon zu viel – manche Dinge, wie z.B. „Aktien“ brauche ich einfach nicht oder nur sehr selten. Auch hier habe ich aufgeräumt (kann man alles in der Watch-App auf dem iPhone machen), dann macht der Zugriff auf die Glances wesentlich mehr Spaß.

Ebenfalls sehr angenehm (und meine „Killerapplikation“) ist das Annehmen von Telefonaten, ohne dass das iPhone in Bluetooth-Reichweite sein muss. Es reicht, wenn beide Geräte im gleichen WLAN bzw. Netzwerk sind. Mein iPhone liegt meist im Erdgeschoss, ich sitze aber ganz oft im Kellerbüro, wo kein Mobilfunknetz vorhanden ist. So auch gestern Nachmittag als ich die frisch geschossenen Fotos bearbeitete: Kumpel ruft an, ich nehme den Anruf auf der Watch an. Der Anrufer versteht mich sehr gut (sagte er zumindest) für mich ist das Telefonieren nicht ganz so komfortabel – der Lautsprecher der Watch ist ob seiner Winzigkeit schon ein bisschen quäkig – es geht aber. Ich laufe nach oben, entsperre das iPhone und spreche einfach so weiter – perfekt!

Nach dem Koppeln

Die Drittanbieter-Apps sind zahlreich gesät, laut Apple startet die Watch mit mehreren 1000 Applikationen. Sehr nett fand ich dabei 1Password, Weather Pro (ersetzt bei mir die Apple Wetter App) sowie Twitterrific, die mir viel besser gefällt als die offizielle Twitter-App, weil sie sich auf die wichtigen Dinge (Mentions und DMs) konzentriert.

Zur Batterielaufzeit: Ich habe die Watch gestern um 15:00 Uhr mit 86% Ladestand angelegt, bis zum Schlafengehen um 23:15 Uhr war sie dann auf 51% runter, ich habe also etwa 35% Akkuladung in 7 Stunden benötigt. Für das Aufladen habe ich mir folgendes überlegt: Apple Watch ersetzt bei mir ab sofort meinen Funkwecker und wird über Nacht auf dem Nachtkästchen geladen. Die Watch hat ja selbst eine Weckerfunktion eingebaut, die auch funktioniert, wenn sie auf „Stumm“ geschaltet ist. Apropos schlafen: Warum bietet Apple keinen Ständer an, in dem man die Watch bequem ablegen und laden kann? Ein ärgerliches Manko. Nun ja, zur Not geht auch die mitgelieferte Plastikdose.

Nach dem Anlegen um ca. 9:00 Uhr gab ich erst einmal meinen PIN-Code ein – die Watch erkennt, wenn ich sie ablege und sperrt sich automatisch. Dann war ich noch eine Stunde im Fitnesstudio und habe meine Aktivität (Laufband) tracken lassen. Jetzt, exakt 6 Stunden nach dem Aufstehen und 24 Stunden nach dem ersten Anlegen steht sie auf 81%, ich habe also in den letzten 24 Stunden ca. 55% Akkuladung verbraucht – das ist weniger als ich dachte und lässt mich, was den Akku angeht, beruhigt in die Zukunft schauen. (Am Ende des Tages war der Akku dann erst auf komfortable 45% runter – trotz intensiver Nutzung und Ausprobieren vieler Apps und Funktionen).

Genaueres kann man sicher erst in ein paar Wochen sagen, aber bislang überzeugt mich die Apple Watch auf sehr vielen Ebenen. Außer der reinen Uhrenfunktion habe ich auch schon eine Funktionalität, die ich dauernd nutzen werde (Telefonieren im Keller). Dazu kommt das Fitnesstraining, über das ich gerne nochmal mehr bei anderer Gelegenheit schreiben möchte.

Aber erst einmal freue ich mich auf die nächsten Wochen mit meinem neuesten Gadget, der Apple Watch. So ist das mit einer neuen Liebe: Die erste Zeit ist die schönste, aber richtig kennenlernen wird man sie erst danach…

Apple Watch 42mm

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[Blog] Die ersten 24 Stunden mit Apple Watch
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